Grundlagen der Erlebten Beratung

Methode

Die Erlebte Beratung geht mit den psychischen Subsystemen um, die das Problem erschaffen, wegen dem ein Klient die Beratung aufsucht. Sie setzt unmittelbar am Problem an und arbeitet weder mit Diagnosen noch mit Zielvorstellungen.

Psychische Subsysteme

Die Psyche organisiert Wahrnehmungen, sie ist polykontextural strukturiert, die Persönlichkeit ist daher grundsätzlich multipel. Einzelne psychische Kontexte, also bestimmte Wahrnehmungen und die daraus resultierenden Handlungsanweisungen) können in Widerspruch zueinander stehen und so psychische Störungen verursachen.

Lösungsorientierung

Zu den grundlegenden Annahmen der Erlebten Beratung gehört, dass jedes Problem den Ansatz zu seiner Lösung bereits enthält. Die Lösung liegt in der Störung, besser: im Umgang damit.

Man entnimmt die Lösung demnach unmittelbar aus der Problemschilderung und Problemdarstellung und nicht aus Vorgaben oder Entwicklungsvorstel-lungen des Beraters.

Erlebte Beratung ist insofern lösungsorientiert, auch wenn zu Beginn der Focus auf dem Problem liegt und nicht sofort nach der Lösung geschaut wird. Die Lösung offenbart sich im Prozess der Problemerforschung fast von selbst.

Probleme

Jemand hat ein Problem, wenn in seiner Psyche Wahrnehmungen auftauchen, die nicht zu seiner Selbstbeschreibung passen. Das ‚Ich’ wird durch ein ‚Nicht-Ich’ gestört. Die Folgen solcher psychischen Störungen sind Krisen, Desorientierung, Sinnverlust, Handlungslähmung etc.

Figuren

Psychische Subsysteme oder psychische Kontexte werden in der Erlebten Beratung als ‚Figuren’ bezeichnet. Eine Figur ist ein sicht-hör-fühlbar gemachter Sinnzusammenhang, sie kann wie ein einseitiger, auf eine bestimmte Wahrnehmung und ein bestimmtes Verhalten festgelegter Mensch behandelt werden.

Es gibt Problemfiguren und Lösungsfiguren. Sie werden durch Verkörperlichung und Verräumlichung dargestellt und so zum Leben erweckt.

Anteile

Erlebte Beratung gibt Klienten auf lebendige Weise die Möglichkeit, die Anteile ihrer Persönlichkeit, die ein Problem schaffen und die Anteile, die es bereits zu lösen versuchen, deutlich und intensiv zu erfahren.

Lösungen

Eine Lösung besteht erst in zweiter Linie in einem veränderten Verhalten, in erster Linie erfordert sie eine veränderte Selbstbeschreibung. Eine Lösung besteht darin, jemand anderes zu sein.

Selbstregulation

Durch die Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Selbstanteilen verändern Menschen ihre Identität und regulieren sich auf diese Weise selbst. Jeder Klient ist selbst sein bester Berater, der Therapeut/Coach wird zum Begleiter von Veränderungsprozessen.

Ziele

Das Ziel der Erlebten Beratung besteht darin, auf neue Informationen zu stoßen. Neue Informationen verändern die Deutung der Lage (Sinn) und die Reaktionen (Verhalten) darauf. Sie ermöglichen den Übergang in einen anderen Kontext.

Erleben

Neue Informationen finden sich meist auf den Wahrnehmungsebenen, die mit wenig Bewusstsein besetzt sind. Daher bezieht die Erlebte Beratung Vorgänge auf den verschiedenen Wahrnehmungsebenen – Körper, Gefühl, Fantasie, Gedanken, Beziehungen, sowie Raumpositionen und Haltungen - in die Erforschung einer Situation mit ein.

Haltung

Grundhaltungen der Erlebten Beratung sind Nichtwissen und Interesse. Es geht um Entdecken, Erfahren und Erforschen.

Dazu gehen Menschen in Identifikationen hinein und treten wieder hinaus, schlüpfen aus alten Häuten in neue Häute. Sie bewegen sich vom Ich zum Nicht-Ich und zurück und entscheiden sich dann, wer sie sein wollen oder sind.