Schluss. Aus. Ende. So werden Sie den Partner los. Während sich alle Welt damit befasst, wie man Partnerschaften lebenslang erhalten könne, möchte ich mich heute Hilfe spendend jener Gruppe verzweifelter Partner zuwenden, die bisher vergebens nach Wegen suchen, ihre aus welchen Gründen auch immer lästig gewordene Beziehung vorzeitig zu beenden. Wie wird man den Partner los, ohne sich für das Ende der Beziehung schuldig fühlen zu müssen? Die Antwort liegt auf der Hand: Indem man ihn zum Schuldigen einer ausweglosen Entwicklung macht. Hierzu gibt es todsichere Rezepte, wie die folgenden wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse und praktisch erprobten Ratschläge zeigen. Meiden Sie Abstand. Zu Recht wird behauptet, Merkmal einer lebendigen Beziehung sei ein stetiger Wechsel von Nähe und Abstand der Partner zueinander. Für unsere Zielsetzung können Sie hieraus den Rat entnehmen, gerade das Gegenteil zu tun: Lassen Sie den Partner unter keinen Umständen und für keinen Augenblick aus den Augen. Denn wenn Sie dem Partner Freiraum gewähren, wird er irgendwann anfangen, Sie zu vermissen. Womöglich sehnt er sich sogar und entwirft tragischer Weise verlockende Vorstellungen von den nächsten Begegnungen mit Ihnen. Im schlimmsten Fall entwickelt er sogar neue Gefühle der Verliebtheit oder sexuelle Begierden. Derartig tragische Missverständnisse sollten keinesfalls entstehen; das Risiko, durch Abstand positive Erwartung zu erzeugen, ist einfach zu groß. Deshalb meiden Sie konsequent jeden Abstand und kämpfen Sie krampfhaft um Nähe. Hängen Sie dem Partner tagein, tagaus auf der Pelle. Machen Sie keinen Schritt ohne ihn. Entwickeln Sie exakt die gleichen Interessen. Mischen Sie sich in seine Hobbys ein. Klammern Sie. Werden Sie zur Klette. Darüber hinaus sollten Sie ständig beteuern "Du bist der wichtigste Mensch in meinem Leben!". Hervorragend eignen sich auch Drohungen wie "Ich bin so froh dich zu haben!" oder "Du bist alles was ich brauche!" und "Ich werde dich nie wieder loslassen!", sowie die ultimative Erstickung durch ein beängstigendes "Ohne dich kann ich nicht leben". Achten Sie auf die Gesichtszüge des Partners oder der Partnerin. Wenn sein/ihr Lächeln gefriert und sein/ihr Atem stockt, sind Sie auf der richtigen Spur. Weiter so, wiederholen Sie diese Aussagen, am besten täglich. Meiden Sie Kommunikation. Kommunikation, vor allem in ihrer sprachlichen Form, verfolgt verschiedene, Ihrer Trennungsabsicht zumeist widersprechende Ziele. Beispielsweise könnten auf dem Weg allzu eifriger Mitteilung Missverständnisse ausgeräumt und Konflikte gelöst werden. Darüber hinaus kann es versehentlich zu verbalen Sympathie-, oder im Extremfall sogar zu versehentlichen Liebesbezeugungen kommen. Solche unkontrollierten emotionalen Entgleisungen gilt es zu vermeiden. Frauen können dazu eine manchmal noch rudimentär vorhandene Gesprächsbereitschaft ihres Mannes im Keim ersticken, indem sie folgende Regeln beachten: Reden Sie ihm ein, besser als er zu wissen, was seine Stimmungen bedeuten und schreiben Sie ihm vor, was er zu fühlen und zu tun hat. Etwa mit den Worten "Wenn du gern mit mir zusammen wärst, würdest du es mir öfter sagen!", "Wenn ich dir gefallen würde, könntest du anderen Frauen nicht nachschauen!" oder "Versprich mir, dass du mich nie verlassen wirst!" Männern sei empfohlen, die Beziehung gleich ganz tot zu schweigen. Lassen Sie die Partnerin gegen eine Mauer des Schweigens prallen. Verweigern Sie jede Auskunft über ihre Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte. Reagieren Sie genervt auf jedes Interesse an Ihrem Zustand und daran, was Sie heute erlebt haben. Seien Sie misstrauisch und standhaft. Merken Sie sich vor allem die Worte "Nichts" und "Wie immer", die ihr Mantra sein sollten. Machen Sie den Partner wahnsinnig. Eine effektive Methode der Beziehungsdestruktion hat in der Hand, wer um die geschlechtsspezifische Wahrnehmung von Mann und Frau weiß. (Siehe hierzu „Wie Männer und Frauen die Liebe erleben). Nichts ist für Männer schlimmer, als sich beengt und in die Ecke getrieben zu fühlen, und Frauen leiden besonders heftig unter dem Gefühl, orientierungslos in der Luft zu hängen. Von Männern verlangt dies, einen Widerspruch zwischen ihren Worten und Handlungen zu erzeugen. Schalten Sie den Fernseher ein und konzentrieren Sie sich ganz auf den Film. Antworten Sie dann auf die mit Sicherheit in den nächsten Wochen auftauchende Frage "Liebst du mich eigentlich noch?" mit den beiläufig geäußerten Worten "Aber Liebling, das weißt du doch!" Schauen Sie anschließend an Ihrer Frau vorbei, wenn diese Ihnen einen Kuss gibt. Schenken Sie ihr einen Strauss verwelkte Blumen mit dem Hinweis, diese wären im Sonderangebot gewesen. Laden Sie Ihre Frau ins Theater, zum Essen und in den Urlaub ein und vergessen Sie, die Tickets zu besorgen und den Tisch zu reservieren. Und dann: Leugnen Sie beharrlich, dass Ihr Verhalten etwas zu bedeuten hat. Dieses Verhalten kann nun ihrerseits die Frau aufgreifen, um der Beziehung den Rest zu geben. Führen Sie Buch über derartige Verfehlungen Ihres Mannes. Machen Sie lückenlose Beweisketten auf, wann er welches Versprechen nicht erfüllt hat. Führen Sie Männer aus der Bekanntschaft als leuchtende Beispiele für frauengerechtes Verhalten an. Fragen Sie Ihren Mann schonungslos aus, bis er etwas zugibt. Dann halten Sie ihm genau das gnadenlos vor. Erringen Sie die Macht. Zu fatalen Ergebnissen in Bezug auf die Absicht, den Partner loszuwerden, führt der leichtfertige Rat, Respekt und Achtung gegenüber den Eigenarten des Partners zu zeigen. Womöglich würde er sich in der Beziehung aufgehoben und bestätigt fühlen. Um dem vorzubeugen empfehle ich einer Frau, den Partner stillschweigend in ihre Planungen einzubeziehen und so zu vereinnahmen. Die fröhlich verkündete Nachricht "Ich habe unseren Urlaub schon gebucht!" oder der nachträglich freudig mit- geteilte Entschluss "Hab ich dir eigentlich schon gesagt, das ich vor zwei Monaten die Pille abgesetzt habe?" wirken wahre Wunder. Auf Protest reagieren Sie am besten mit einem Gefühlscocktail aus Wut, Trauer und Tränen. Leiden Sie demonstrativ und bekräftigen Sie ihre Ansprüche mit den Worten "Aber du hast doch gesagt, du liebst mich!" Männer sollten im Gegensatz zu Frauen jede Offensive meiden. Ihre Strategie der Macht sollte die eines Guerillakämpfers sein. Statt die Partnerin einzuplanen sollten Sie alles Mögliche abseits der Beziehung tun, und das heimlich. Treffen Sie sich mit der Ex und geben Sie vor, Überstunden zu machen. Versprechen Sie, etwas 'morgen' zu tun, aber beachten Sie stillschweigend die wahre Bedeutung des spanischen Wortes ‚manjana' (heute nicht!). Lernen Sie die Sätze "Das wollte ich nicht" und "Das habe ich vergessen" auswendig. Üben Sie bei der Aussage "Es tut mir leid" ein angedeutetes Grinsen ein. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Frau sich die Zähne an Ihnen ausbeißt. Ersticken Sie das Begehren. Was wäre ein erfolgreiches Rezept zur Zerstörung der Partnerschaft, das den Bereich des Sexuellen ausspart? Womöglich würde im Bett manche Versöhnung hergestellt und mach unerwünschter Friede gefeiert. Das muss nicht sein. Wenn Sie den Ratschlag ‚Abstand meiden' konsequent befolgen, werden Sie schon nach kurzer Zeit Erfolge auch auf sexuellem Gebiet verbuchen. Die Lust lässt nach, die Gier schwindet, und wenn sie auch körperlich ständig präsent sind, wird die sexuelle Beziehung bald ganz erstorben sein. Diese Entwicklung wiederum versorgt Sie mit hervorragenden Argumenten im Machtkampf. Frauen sei Folgendes empfohlen: Bremsen Sie seine Gier mit dem Vorwurf, er sei sexsüchtig. Verlängern Sie das Vorspiel bis ins Unerträgliche: Sie wollen stundenlang gestreichelt werden, schließlich will ihre Lust meisterhaft geweckt sein. Kuscheln Sie ihren Mann im wörtlichen Sinne nieder. Werfen Sie ihm dann vor, sie nicht richtig zu begehren. Fordern Sie erotische Liebesbeweise ein. Einmal täglich ist das Mindeste. Zeigen Sie gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit. Beklagen Sie die zwangsläufig einsetzende Zurückhaltung ihres Mannes. Werfen Sie ihm vor, sie nicht ‚als Frau' zu lieben. Fordern Sie, er solle sich mehr anstrengen. Hilfreiche Formulierungen lauten ‚Du schwitzt ja nicht mal' oder ‚Prima, das Ganze noch mal bitte'. Hilfreich ist auch das Geständnis, seit 12 Jahre Orgasmen vorgetäuscht zu haben. Dem Mann sein geraten: Seien Sie schnell. Überspringen Sie jedes Vorspiel. Lassen Sie gar nicht erst den Eindruck entstehen, als wären Sie an erotischer Begegnung und sinnlicher Verschmelzung interessiert. Denken Sie immer daran, es geht im Ihre Befriedigung, und die kann nicht ewig warten. Werfen Sie Ihrer Frau, die solches nur schwer hinnehmen kann vor, beinah frigide zu sein. Drohen Sie damit, sich eine andere zu nehmen. Erzählen Sie ihr, mit der Ex wäre alles viel besser gewesen. Erfolg garantiert. Ich bin mir der Begrenzungen meiner Ratschläge durchaus bewusst. Manchmal unterschätzt man die Leidensfähigkeit des Partners und die Stabilität einer Partnerschaft, und dann kann es Jahre dauern, bis die Beziehung am Boden liegt. Wer jedoch nicht aufgibt und ganz bewusst sein Ziel ansteuert, der wird schließlich die Früchte seiner Beziehungsarbeit ernten.
(c) copyright by michael mary

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